Modulausbildung "Technische Hilfe" in der Ortsfeuerwehr Bad Iburg

Bei Verkehrsunfällen mit verletzten und eingeklemmten Personen gilt es im Regelfall die Patienten so schnell wie nötig und so schonend wie möglich zu retten. Dabei erfordert die Rettung aus stark defomierten Fahrzeugen unterschiedlicher Hersteller und Baujahre viel Know-How und spezialisierte Technik.

In den letzten Jahren wurde die Ausrüstung für diese Sonderaufgabe innerhalb der Ortswehr Bad Iburg stetig erweitert und aktualisiert. Neueste Geräte sind unter anderem Unterbaublöcke zum Stabilisieren, Rettungsschere und Spreizer sowie diverse Schutzmatten und Decken zum Patientenschutz.

Das es mit guter technischer Aussattung allein nicht getan ist, veranschaulicht die jetzt durchgeführte Modulausbildung, in der Konzepte und Techniken zum Retten von Personen aus Unfallwracks trainiert wurden.

Ortsbrandmeister Rolf Kleinschmidt besuchte dazu im letzten Jahr die Rescue-Days in Bremen und konnte hier an einem Wochenende sich ganz dem Thema Unfallrettung widmen. Seine Erfahrungen aus diesem Lehrgang wurden jetzt an die Kameraden vor Ort in praktischen Dienstabenden weitergegeben.

Neu sind auch die Standard-Einsatz-Regeln (SER), welche in folgenden 4 Phasen einen strukturierten Ablauf des Einsatzes gewährleisten sollen.

1. Sicherung
2. Lagerekundung
3. Erstöffnung
4. Befreiung

Über drei Wochen wurde an jedem Donnerstag je eine Gruppe in den neuen Techniken und Methoden geschult.

Angenommen wurde jeweils, dass ein PKW nach einem Unfall in eine Seitenlage geraten war.

Phase 1) SICHERUNG

Gemäß den Standardeinsatzregeln wurde das Fahrzeug im ersten Schritt gesichert. Aufgrund der Seitenlage kommen am Unterboden Steckleitern mit Spanngurten zum Einsatz, im Dachbereich wird mit Hilfe einer Schlauchbrücke einfach und unkompliziert abgestützt.

Weiterhin wird das Fahrzeug erkundet. Welche Kraftstoffart liegt vor? Handelt es sich evtl. um ein Strom- oder Gasfahrzeug.

Beim Batteriemanagement wird die Autobatterie (manchmal auch 2) mit einem Schraubenschlüssel abgeklemmt. Das bietet den Vorteil, dass das Fahrzeug im Verlauf der Rettung wieder mit Strom versorgt werden könnte, wenn zum Beispiel verstellbare Sitze zurückgefahren werden müssen.

Um im Fall eines Brandes sofort reagieren zu können werden grundsätzlich 3 unabhängige Löschmittel in Bereitstellung gebracht. So wurden vom LF 8/6 ein Schnellangriff mit Wasser, eine Mittelschaumpistole sowie ein CO2-Feuerlöscher startklar gemacht.

Fahrzeug in Seitenlage


Sicherung des Fahrzeugs


Bereitstellung der Ausrüstung

Phase 2) LAGEERKUNDUNG

Ist die Sicherung des Fahrzeug und die Eigensicherung erfolgt, biginnt die Phase der Lageerkundung. Hier wird zunächst grob die Lage des Patienten beurteilt. Weiterhin entwickelt der Gruppenführer "Technische Hilfe" in enger Absprache mit dem Rettungsdienst einen Rettungsplan. Hierbei spielen Form und Aufbau des Fahrzeugs und das Verletzungsmuster eine wesentliche Rolle.

Ziel sollte es sein, das Fahrzeug wieder in seine Ursprungsform zu bringen und so dem Eingeklemmten mehr Freiraum zu verschaffen.

Erkundung des Fahrzeugs


Überprüfung des Gesundheitsszustands

Phase 3) ERSTÖFFNUNG

Nach der Lageerkundung wurde eine Zugangsöffnung für den so genannten „inneren Retter“ geschaffen. Dieses ist in der Regel ein Feuerwehrmann, der sich in das Fahrzeug begibt um einerseits die verletzte Person zu betreuen und um andererseits aus dem Fahrzeuginneren wichtige Tipps an die Retter im Aussenbereich weiterzugeben. Denn nicht immer sind Airbags, Gurtstraffer und andere Einrichtungen von aussen zu erkennen. Dafür sind spezielle Handwerkzeuge vorhanden mit denen die Innenverkleidung leicht entfernt werden kann.

Parallel zum Zugang für den inneren Retter wurden im Rahmen des Glasmanagement die erforderlichen Scheiben entfernt. Für geklebte Scheiben wie die Windschutzscheibe steht eine Glassäge zur Verfügung. Die Seitenscheiben wurden mittels Federkörner entfernt.

Erstöffnung durch die Frontscheibe


Öffung des Fussraum mit dem Halligan-Tool


Vergrößern der Fussöffnung mit dem Spreizer

Phase 4) BEFREIUNG

Sobald die Phase der Erstöffnung abgeschlossen ist beginnt die eigentliche technische Rettung. Mit speziellen Wachsstiften zeichnet der Gruppenführer "Technische Hilfe" stellen an, an denen geschnitten oder gespreitzt wird. So kann sich der Angriffstrupp voll und ganz auf das Arbeiten mit den schweren Geräten wie Schere und Spreizer konzentrieren.


Währenddessen erarbeitet der Gruppenführer einen Plan B, falls die Maßnahmen z. B. aufgrund der steifen Karosserie nicht zum gewünschten Erfolg führen.

So wurden im Rahmen der Dienstabende zunächst der Patient abgstützt und die Beifahrertür entfernt. Die Person konnte schonend mit dem Rettungsbrett aus dem Fahrzeug befreit werden. Um die Chance an einem Fahrzeug übern zu können zu nutzen, wurde weiterhin die Fahrertür entfernt und das Dach abgenommen. Danach wurde mittels hydraulischer Rettungszylinder das Fahrzeug in die Ursprungsform gedrückt.

Entfernen der Beifahrertür in Seitenlage


Entfernen der Fahrertür


Befreiung mit dem Rettungsbrett

Nach Abschluss der Modulausbildung sind alle Teilnehmer um einige Erfahrungen in der Unfallsrettung reicher.

Einhelliges Fazit: Eine sinnvolle Veranstaltung mit einem Thema, welches man nicht oft genug üben kann. Denn im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen um die Person schnell und sicher zu befreien.