Gut trainiert durch Rauch und Feuer

In Deutschland sterben ca. 95 % der Brandopfer durch eine Rauchgasvergiftung, denn bei einem Wohnungsbrand entwickelt sich schnell ein tödlicher Cocktail aus verschiedenen Rauchgasen. Feuerwehrleute schützen sich daher zum Einen mit spezieller Schutzkleidung gegen Flammen und Hitze und zum Anderen mit Atemschutzgeräten gegen den dichten und tödlichen Rauch. Neben der Ausrüstung sind körperliche Fitness, Kenntnisse über Rauch und Feuer sowie die richtige Taktik entscheidend um schnell und professionell Hilfe leisten zu können.

An diesem Punkt setzte der Atemschutz-Workshop der Feuerwehr Bad Iburg an. Hierzu waren Kameradinnen und Kameraden der Nachbarefeuerwehren aus Glane, Glandorf und Schwege eingeladen. An einem Samstag hatten die Iburger Feuerwehrleute ein Programm aus theoretischen und praktischen Anteilen erarbeitet, bei dem vor allem das gemeinsame Vorgehen und Austauschen im Vordergrund standen.

Realeinsätze vor der Übung

Bevor der Workshop beginnen konnte wurden die Iburger Einsatzkräfte gleich zwei mal gefordert. Um 07:28 Uhr ertönten die Funkmelder zum abstreuen eine Ölspur. Nur eine Stunde später gab es erneut Alarm. Diesmal war Amtshilfe für den Rettungsdienst erforderlich.

 Theoretische Grundlagen über Rauchentwicklung und Suchtechniken

Im ersten theoretischen Teil wurde das „Lesen von Rauchgasen“ genauer betrachtet. Das Verhalten von verschiedenen Raucharten, die Aussagen von unterschiedlichen Rauchfarben und das Deuten von schwarzem, dicht pulsierendem Rauch geben den Einsatzkräften wichtige Hinweise über Hitzeentwicklung, Flash-Over-Gefahren und möglichen Brandausbreitungen. Nach dem Vortrag wurde drei Gruppen jeweils eine Situation anhand eine Fotos analysiert und vorgestellt.

Im zweiten Theorieblock wurde auf verschiedene Suchtechniken eingegangen. Im Ernstfall macht den Einsatzkräften nämlich nicht nur Rauch und Hitze zu schaffen sondern auch die Orientierung in unbekannten Gebäuden bei schlechter oder gar keiner Sicht. Hinzu kommt der Stressfaktor wenn bekannt ist, dass sich noch Personen im Gebäude aufhalten sollen. Hier ist eine einheitliche und systematische Suchmethode unerlässlich.

Nachdem die theoretischen Grundlagen gelegt worden waren folgte ein Mittagsimbiss, bevor die Anwendung in der Praxis beginnen konnte.

Gemeinsame Übung unter realistischen Bedingungen

Für diesen Praxisteil stand mit einem leerstehenden Gebäude die optimale Voraussetzung für eine realistische Übung zur Verfügung. Um die Einsatzsituation möglichst genau nachzuempfinden wurde das komplette Gebäude verraucht und mit Hintergrundgeräuschen und Lichteffekten ausgestattet.

Die drei Gruppen wurden in die Einsatzabschnitte „Keller“, „Erdgeschoss“ und „Dachgeschoss“ eingeteilt und mit verschiedenen Szenarien ausgestattet. Innerhalb der Gruppen wurden gemischte Trupps aus den einzelnen Feuerwehren gebildet, sodass ein gemeinsames Vorgehen trainiert wurde.

Im Keller kam es nach Bauarbeiten zu einem Feuer, sodass hier ein Arbeiter vermisst wurde. Zudem bot der Keller die typischen Gefahren wie die Hausanschlüsse für Gas und Elektrik und eine schlechte Zugänglichkeit. Im Erdgeschoss standen die Menschenrettung und das systematische Suchen von Personen in großen Gebäuden im Vordergrund während im Dachgeschoss ein Feuerwehrmann während der Löscharbeiten „verunglückte“ und gerettet werden musste.

Positives Feedback und guter Austausch

Nach ca. einer Stunde hatten die 27 Teilnehmer alle Aufgaben erfüllt und konnten sich nach schweißtreibender Arbeit zur Nachbesprechung einfinden. Lob von den Teilnehmern gab es nicht nur für die Vorbereitung sondern auch für die realistischen Übungsbedingungen. Während der Übung konnten auch nützliche Ausrüstungen und verschiedene Taktiken ausgetauscht werden. So war die Rettungs- und Führungsleine der Feuerwehr Schwege in Bad Iburg unbekannt. Im Gegenzug konnten die Feuerwehren aus Bad Iburg und Glane das Vorgehen mit einem Schlauchpaket an die Glandorfer Einsatzkräfte weitergeben.

Am Ende des Ereignisreichen Tages stand ein positives Feedback der Teilnehmer und Organisatoren.

 

Bereits einige Tage später konnten die Einsatzkräfte bei einem Gefahrgutunfall in Bad Iburg das gemeinsame Vorgehen unter Beweis stellen. [JH/TK]